Die Wiesbadener Hilfe

16 Jahre professionelle Opferberatung

Anmerkung der Redaktion

Das damalige Polizeipräsidium Wiesbaden gehörte zu den Gründungsmitgliedern der Wiesbadener Hilfe. Sie leistet wichtige Arbeit in der Opferberatung. Sie ist jedoch weitgehend unbekannt geblieben, darum geben wir ihr hier ein Forum, die Arbeit umfassend darzustellen.

Im September 1992 eröffnete der Verein "Opfer- und Zeugenhilfe Wiesbaden e.V.", kurz WIESBADENER H!LFE, in der Adelheidstraße seine Beratungsstelle. Im Juli 2007 erfolgte nach 15 Jahren der Umzug in die neuen Räume in der Marktstraße 32, welche Betroffenen einen barrierefreien Zugang in zentraler Lage ermöglicht. Die WIESBADENER H!LFE hat es sich zur Aufgabe gemacht, Kriminalitätsopfer zu beraten und in Einzelfällen längerfristig zu betreuen. Ziel der parteilichen Beratung ist, die Unterstützung bei der Bewältigung der Folgen der erlittenen Straftaten.Die Finanzierung erfolgt je zur Hälfte über eine Festbetragsfinanzierung durch das Hessische Ministerium der Justiz sowie über Geldbußen und Spenden.

Beratungsangebot

Das Angebot der WIESBADENER H!LFE richtet sich an Opfer und Zeugen von Straftaten und an deren Angehörige. Jede Person kann unabhängig von ihrem Alter, ihrem Geschlecht und ihrer Nationalität das Beratungsangebot in Anspruch nehmen. Dabei spielt es keine Rolle, von welchem Delikt die Geschädigten betroffen sind und ob dieses zur Anzeige gebracht wurde.

Die offensichtlichsten Auswirkungen einer Straftat zeigen sich bei Opfern durch körperliche und materielle Schädigungen. Schwieriger zu erkennen, jedoch nicht weniger gravierend, sind die psychischen Verletzungen. Sich bedingungslos dem Willen eines oder mehrerer Täter unterwerfen zu müssen führt häufig dazu, dass Opfer schwerer Gewalttaten vermehrt und nachhaltig unter psychischen Traumata leiden.

Die psychosoziale Beratung orientiert sich an den individuellen Bedürfnissen der Ratsuchenden. Vorrangiges Ziel ist es, ihnen Unterstützung und Beistand bei der Bewältigung ihrer Situation anzubieten, mögliche Schritte zur Verarbeitung des belastenden Ereignisses mit ihnen zu besprechen und ihre eigene Handlungskompetenz zu stärken. Dabei hat die Stabilisierung und schrittweise Wiedererlangung des seelischen Gleichgewichtes unbedingte Priorität. In den Beratungsgesprächen werden angemessene Wege zur Überwindung der durch die Tat oft krisenhaften Folgen erarbeitet, mit dem Ziel Perspektiven für „ein Leben nach der Tat“ zu entwickeln.

Mit den Angaben der Betroffenen, welche auf Wunsch anonym bleiben können, wird vertraulich umgegangen; ohne ausdrücklichen Wunsch der betroffenen Personen erhält niemand Kenntnis von dem Beratungsgespräch. Wir unterstützen die Betroffenen, sehen die Verantwortung für die Straftat bei dem Täter und werten nicht das Verhalten der Opfer bezüglich des Geschehenen. Entscheidend sind für uns die Sichtweise, die Position und das Erleben der Ratsuchenden. Die Betroffenen sollen grundsätzlich selbst durch ihre Kontaktaufnahme zur Beratungsstelle entscheiden, ob sie die angebotene Hilfe in Anspruch nehmen möchten. Dies unterstreicht die Autonomie der Betroffenen, zu mal eine pro aktive Vorgehensweise zum Rückzug des familiären und sozialen Hilfesystems führen könnte. Darüber hinaus wird verhindert, dass ein laufender Selbstheilungsprozess unterbrochen wird.

Das Angebot ist für die Betroffenen kostenfrei.

Es hat sich gezeigt, dass eine unterstützende Beratung auch für nahestehende Bezugspersonen der Geschädigten hilfreich sein kann. Angehörige und Vertrauenspersonen erleben oftmals unmittelbar, welche Auswirkungen eine Straftat auf das Opfer hat. Sie sind mitbetroffen und zeigen häufig ähnliche Symptome. Zudem können mangelndes Verständnis und Einfühlungsvermögen, Ratlosigkeit und Überforderung der Angehörigen den Opfern eine konstruktive Auseinandersetzung mit dem Geschehenen erschweren.

Die Beratungsstelle der WIESBADENER H!LFE ist sowohl Anlauf- als auch Weitervermittlungsstelle und bietet zeitnahe Soforthilfe sowie längerfristige Beratungen an.

Das Beratungsangsebot umfasst:



Gerichtsbegleitung

Opfer und Zeugen sind über die Abläufe bei Gericht häufig nicht oder schlecht informiert und daher entsprechend verunsichert. Erschwerend kommt hinzu, dass Gerichtsverhandlungen oft lange Zeit nach der Anzeigenerstattung statt finden. Zu diesem Zeitpunkt haben die Betroffenen das Erlebte entweder abgeschlossen oder versuchen es zu vergessen, zu verdrängen oder zu verarbeiten. Eine Vorladung kann somit den Heilungsprozess massiv beeinträchtigen und führt häufig zu einer Reaktivierung der mit der Straftat einhergehenden belastenden Erinnerungen und Emotionen.

Je nach individuellem Hintergrund und Bedürfnis gestaltet sich die Beratung in Form eines einmaligen Informationsgesprächs über den Prozessablauf, einer Begleitung in die Hauptverhandlung sowie einer Nachbesprechung. Das Wissen über gerichtliche Abläufe, räumliche Gegebenheiten und über die Rolle der Beteiligten kann Unsicherheiten zumindest reduzieren und sich so positiv auf das Auftreten und die Aussagefähigkeit der Betroffenen vor Gericht auswirken.

Betroffene erleiden durch eine Straftat psychische und physische Verletzungen. Häufig zeigen sie über Wochen oder sogar Monate körperliche Symptome wie Schlaf- und Konzentrationsstörungen oder Schreckhaftigkeit. Sie werden von den schrecklichen Erinnerungen an das Geschehen verfolgt. Sofern sie noch keine Erfahrung im Umgang mit einem Gericht haben, wollen sie diesen Status auch offiziell anerkannt wissen. Aus Opfern werden vor Gericht häufig "nur" Zeugen (falls keine Nebenklage möglich ist). In der Verhandlung interessieren die Empfindungen und Auswirkungen der Tat auf die Betroffenen nur bedingt. Für sie wichtige Informationen, wie beispielsweise der Ausgang das Verfahrens, werden ihnen häufig vorenthalten.
Durch detaillierte Informationen und intensive Aufklärung soll den Betroffenen eine realistische Einschätzung und Haltung ermöglicht werden. Themen der vorbereitenden Gespräche sind Befürchtungen sowohl vor der Reaktion des Täters als auch vor eigenen Reaktionen.

Zur Reduzierung bestehender Ängste hat sich die Besichtigung eines Gerichtssaales oder der Besuch einer Hauptverhandlung insbesondere bei Kindern und Jugendlichen bewährt.

Das abgeschlossene Strafverfahren ist somit ein wichtiger Teil des Verarbeitungsprozesses und kann den Betroffenen eine belastungsreduzierte Integration des Geschehens ermöglichen.

Täter-Opfer-Ausgleich

Ein weiterer Aufgabenbereich der WIESBADENER H!LFE liegt in der Durchführung des Täter-Opfer-Ausgleichs. Auf Anregung der Staatsanwaltschaft oder des Gerichtes und mit ausdrücklichem Einverständnis der Verfahrensbeteiligten bietet die WIESBADENER H!LFE in Kooperation mit der Gerichtshilfe bei der Staatsanwaltschaft Wiesbaden die Durchführung eines Täter-Opfer-Ausgleichs an.