... wie funktioniert das?

Grundsätzliches über die DNA-Analyse

Das DNS-Fingerprinting ist ein molekulargenetisches Verfahren, das die Identifizierung von Personen anhand ihrer spezifischen Desoxyribonukleinsäure-muster (DNS-Muster) ermöglicht. Diese können auch noch nach Jahren aus geringen Mengen von Körper-sekreten (z.B. Speichel, Sperma), Blut, Haarwurzeln oder Gewebeteilen gewonnen werden. Der genetische Fingerab-druck ist eine anerkannte Methode zur Feststellung von Verwandtschaftsverhältnissen (u.a. für Vaterschaftsnachweise).
Die Wahrscheinlichkeit, dass zwei Personen den gleichen genetischen Fingerabdruck aufweisen, wird auf 1:30 Milliarden geschätzt. Die DNS- Analytik hat am Ende unseres Jahrhunderts den Stellenwert erhalten, den der gewöhnliche Fingerabdruck am Ende des vorigen Jahrhunderts hatte.
Die DNS ist eine in sich verdrehte, strickleiterartige Verkettung vier verschiedener Aminobasen. Dieser Strang besteht aber nicht allein aus "Blaupausen" für den jeweiligen Zellaufbau, sondern zu einem überwiegenden Teil (ca. 90%) aus Abschnitten, die aus heutiger Sicht als "nicht-codierend", also als ohne spezifische Erbinformation angesehen werden. In diesen "blinden" Abschnitten zwischen den Genen wiederholen sich bestimmte Kombinationen der Aminobasen in charakteristischer Weise - und zwar je nach Individuum unterschiedlich. Gelingt es nun, diese typischen Abschnitte aus dem DNS-Strang herauszulösen, kann man unter Anwendung bestimmter Nachweisverfahren quantifizieren, wieviel davon bei dem einem Individuum im Unterschied zum anderen vorliegt - und zwar anhand jeder Erbinformation tragenden Zelle des Körpers.
1985 erfand die Arbeitsgruppe um den englischen Molekularbiologen Alec J. Jeffrey ein solches Nachweisverfahren und damit den "genetischen Fingerabdruck" als Möglichkeit zur Identifizierung: Man konnte nun mit sehr großer Wahrscheinlichkeit sagen, welche (Körperzellen enthaltende) Spuren zu welchem Individuum gehörten.
Zwar verwendete man zuvor schon in der Kriminalistik serologische Verfahren, mit deren Hilfe aus Spuren von Körperflüssigkeiten bestimmte Aussa-gen hinsichtlich der Wahrschein-lichkeit der Tatbe-teiligung getroffen werden konnten. Aber mit der Entdeckung, dass ausser dem "klassischen" Finger-abdruck darüber hinaus jede Körperzelle ihren Träger (abgesehen von eineiigen Zwillingen) im Prinzip "individualisiert", war eine neue Ära der polizeilich nutzbaren Identifikationstechnik angebrochen.
Am Tatort vorgefundene Bluts-tropfen, winzige Hautfetzen, Speichelreste (an Zigarettenkip-pen), Genitalsekrete oder Haare waren von nun an (unter günstigen Umständen) wichtige Beweisindizien oder gar potentielle Fahndungsmittel.
Mit dem neuen Verfahren kann man ein Individuum aus der ganzen Weltbevölkerung eindeutig identifizieren. Allerdings bedeutete die grundsätzliche Bestätigung der Tauglichkeit des "genetischen Fingerabdrucks" zur Unterschei-dung und Identifizierung von Personen noch keineswegs, dass dieses Verfahren auch in jedem Fall zu einem richtigen bzw. nachvollziehbaren Ergebnis führt, d.h. im Strafverfahren Bestand haben würde.
Seitdem die DNS-Analyse wissenschaftlich anerkannt ist, dreht sich die Auseinandersetzung vor allem um die korrekte Standardisierung und fehlerfreie Durchführung der Untersuchung - von der Spurenaufnahme über die Laborprozesse bis zur Darstellung der Ergebnisse in den gerichtlichen Gutachten selbst; denn Teilergebnisse sind auch schon willentlich manipuliert worden und zuungunsten von Angeklagten vor Gericht eingebracht worden.
Auszug aus: “Crime - DNS-Analyse”