„Gesellschaft Bürger und Polizei e.V." in Wiesbaden feiert 40-jähriges Jubiläum

Wer ist das und warum wurde eine solche Gesellschaft gegründet?

Am 14. November 2017 feierte die älteste hessische „Gesellschaft Bürger und Polizei e.V." in Wiesbaden ihr 40-jähriges Jubiläum. Geladen waren die 220 Mitglieder der Gesellschaft und ehemalige Gründungsmitglieder und Vereinsvorsitzende. Eine gute Gelegenheit mehr über die Gründung, die Ziele und die Arbeit der Gesellschaft zu erfahren.

Empfang der Gäste Empfang der Gäste

Gründung

Alles begann am 14. Januar 1977. Elf Polizeibeamte und acht Repräsentanten der Landeshauptstadt Wiesbaden und des Rheingau-Taunus-Kreises trafen sich im Dachgeschoss des alten Polizeipräsidiums in Wiesbaden und beschlossen die Gründung des Vereines „Gesellschaft Bürger und Polizei e.V.", Einige sahen darin lediglich einen Geldsammelverein, einen schöngeistigen Zirkel oder gar einen Verein zur Rentnerbespaßung. Ziel des Vereins war es, das Ansehen der Polizei und die Wertschätzung der polizeilichen Arbeit wieder herzustellen. Das Vertrauen der Bevölkerung war damals und ist heute elementar für erfolgreiche Polizeiarbeit. Diese Vorstellungen zu erfüllen, war nicht einfach in einer Zeit, in der Studentenproteste und Demonstrationen fast alltäglich waren und die RAF ihren Höhepunkt erreichte. Sie war verantwortlich für 33 Morde, die Schleyer-Entführung und mehrere Geiselnahmen, Banküberfälle und Sprengstoffattentate mit über 200 Verletzten. Durch Fremdeinwirkung, Suizid oder Hungerstreik kamen 24 Mitglieder und Sympathisanten der RAF ums Leben. Der Vertrauensverlust der Polizei war damals erheblich und so entschloss sich der inzwischen verstorbene Wiesbadener Polizeipräsident Dr. Ender, mit der Gründung der Gesellschaft diesem entgegenzutreten.

 

Satzung / Vereinszweck

Das Hauptanliegen war und ist auch noch heute, die Bürgerinnen und Bürger für die Arbeit der Polizei zu sensibilisieren, das gegenseitige Vertrauensverhältnis zu stärken und nicht zuletzt, die Beziehungen zwischen der Bevölkerung und der Polizei zu pflegen. Vertrauen in die Polizei sollte durch Kontakt, Transparenz und Information geschaffen werden. Dazu war eine bessere Vernetzung innerhalb der Bevölkerung geplant. Auftrag war es, dass jedes Mitglied sich in seinem Umfeld für ein besseres Ansehen der Polizei einsetzen sollte und daher neue Mitglieder mit möglichst großem Multiplikatoreneffekt wirbt. Dafür wurden und werden Bürgerinnen und Bürger gezielt angesprochen und für die Gesellschaftsziele begeistert.

In der Satzung sind als Zweck und Ziel der Gesellschaft festgelegt:

Ständige Pflege der Beziehung zwischen der Bevölkerung und der Polizei

Vermittlung von aktuellen und weiterbildenden Informationen auf dem Gebiet der öffentlichen Sicherheit und Ordnung

Belobigung von Personen, die für die öffentliche Sicherheit und Ordnung besondere Leistungen erbracht haben.

 

Veranstaltungen

Unter dem Motto "Kenntnis - Verständnis - Vertrauen" vermittelten über die Jahre mehr als 100 Vortrags- und Diskussionsveranstaltungen zu aktuellen Themen, aber auch zu gesellschaftlich wichtigen Problemfeldern einem breiten Publikum sachbezogenes Wissen.

Brisante Themen für Polizei und Verwaltung, wie z.B. „Gewaltanwendung durch die Polizei?", „Ausreichender Schutz durch die Polizei?", Korruption in Wirtschaft und Verwaltung, Bürgerproteste, usw. wurden gleichermaßen beleuchtet, wie auch die Themen Führerscheinentzug, Drogenmissbrauch, Gefahren im Internet oder Wohnungs- und PKW-Aufbrüche. Darüber hinaus gab es für Mitglieder, neben Lesungen mit bekannten (Krimi)-Autoren (z.B Nele Neuhaus) auch zahlreiche Besichtigungen unterschiedlicher Einrichtungen in der Region wie beispielsweise den Frankfurter Flughafen, die Commerzbank Arena in Frankfurt, das Staatstheater Wiesbaden, den Landtag, das Technische Hilfswerk und die jüdische Synagoge in Mainz, um nur einige zu nennen.

Gerade in den ersten Jahrzehnten fanden zahlreiche bürgernahe Veranstaltungen statt, z.B. „Die Verantwortung des Journalisten bei der Berichterstattung in Sicherheitsfragen", „Der Bürger als Zeuge einer Straftat", „Polizei – ein Prügelknabe?", „Das Strafverfahren – wo bleibt die Wahr-heit?" und „Ausländische Mitbürger und Polizei".

Seit 23 Jahren findet in der Vorweihnachtszeit in der Wiesbadener Marktkirche das Adventskonzert in Zusammenarbeit mit dem Polizeipfarramt der evangelischen Kirche in Hessen und Nassau statt und wird meist von mehr als 600 Wiesbadener Bürgerinnen und Bürgern besucht.

Adventskonzert vom 03. Dezember 2017 Adventskonzert vom 03. Dezember 2017

Im Frühjahr 2017 startete die groß angelegte Präventionskampagne „Sicher im Alter?!" (wir berichteten in Heft 5/2017). Die Gesellschaft Bürger und Polizei e.V. hatte zusammen mit den Kooperationspartnern Wiesbadener Kurier und Wiesbadener Tagblatt eine Veranstaltungsreihe zur Verhinderung von Straftaten gegen ältere Menschen, insbesondere dem Enkeltrick, organisiert. Es wurden acht Informationsveranstaltungen in verschiedenen Wiesbadener Stadtteilen, zwei „Kaffeefahrten" und zwei Bankentage (die Seniorinnen und Senioren wurden in den Banken informiert) durchgeführt. Insgesamt wurden mehr als 1000 Bürgerinnen und Bürger sensibilisiert und aufgeklärt. Alle Aktionen wurden medial begleitet.

Allen Beteiligten, Mitarbeiter der Gesellschaft, des Polizeipräsidium Westhessen, sowie dem Wiesbadener Kurier / Wiesbadener Tagblatt wurde ein hoher Einsatz abverlangt, der viel Engagement und Kraft forderte. Das Zitat einer Besucherin „ Endlich ist mal jemand da, der sich um uns kümmert" unterstreicht, wie wichtig solche Veranstaltungen sind.

In den vier Jahrzehnten wurde eine Vielzahl von Bürgerinnen und Bürgern für ihr couragiertes und aufmerksames Verhalten belobigt. In den letzten beiden Jahren fanden die Belobigungen zusammen mit der Stadtverordneten-vorsteherin der Landeshauptstadt Wiesbaden statt.

Vorstand

Nach der Verabschiedung von drei Vorstandsmitgliedern, darunter die ehemalige Leiterin des Hauptsachgebietes Presse- und Öffentlichkeitsarbeit beim Polizeipräsidium Westhessen, Petra Volk, die 21 Jahre lang für den Verein tätig war, wurde während der Mitgliederversammlung ein neuer Vorstand gewählt.

Verabschiedung von Petra Volk Verabschiedung von Petra Volk

Der Vorstand besteht aus zwei Vorsitzenden, dem amtierenden Polizeipräsidenten und einem Bürger, einem Schatzmeister, einem Schriftführer und vier Beisitzern. Er ist paritätisch mit vier Bürgerinnen und Bürgern und vier Polizeibeamtinnen und Polizeibeamten besetzt.

Teile des Vorstandes Teile des Vorstandes

Jubiläumsveranstaltung

In einer angemessenen Lokation fand am Dienstag, dem 14. November 2017, das 40-jährige Jubiläum der Gesellschaft statt. Die Feierlichkeiten starteten mit einem Bericht von Herrn Hoffmann über die Historie des Vereins bis 2000. "Dr. Ender war seiner Zeit voraus" summierte der Rechtsanwalt, der zusammen mit Herrn Polizeipräsident Müller die Doppelspitze der Gesellschaft bildet. Dr Ender erkannte schon damals, dass sich mit Hilfe von „Networking – Netzwerke bilden!" viele Möglichkeiten ergeben, den Vereinszweck zu erfüllen.

Vorsitzender Herr Hoffmann Vorsitzender Herr Hoffmann

Im Anschluss referierte Herr PP Müller über die Zeit von 2000 bis heute und stellte fest, wie viele interessante Veranstaltungen und Aktivitäten stattgefunden haben. Hervorzuheben sind dabei ein Neujahrskonzert im Kurhaus, Schießveranstaltungen mit Staatsanwälten und Richtern, eine SEK-Übung auf dem Rhein, 100 Jahre Polizeipräsidium Wiesbaden und eine Podiumsdiskussion mit hochkarätigen Referenten zum Thema „Gefahren im Internet".

Polizeipräsident und Vorsitzender Herr Müller Polizeipräsident und Vorsitzender Herr Müller

Die Festrede wurde von dem Gründungsmitglied Professor Dr. Mende gehalten. In einer sehr kurzweiligen Rede nahm er die Anwesenden mit auf eine Zeitreise und beschrieb sehr anschaulich die politische und polizeiliche Lage in den 70er Jahren. „Wir wollten uns zur Förderung von Verständnis und Vertrauen in der Bevölkerung besser vernetzen" beschrieb er einen der damaligen Beweggründe, die Gesellschaft ins Leben zu rufen.

Festrede durch Herrn Prof. Dr. Mende Festrede durch Herrn Prof. Dr. Mende

Grußworte sprachen der ehemalige Polizeipräsident und langjährige Vorsitzende der Gesellschaft, Peter Frerichs, und der von der Gesellschaft als Präventionsbotschafter ernannte Redakteur des Wiesbadener Kuriers und des Wiesbadener Tagblatts, Wolfgang Degen. Er beleuchtete das Verhältnis von Presse und Polizei. Zu Beginn der 80er Jahre kündigte die Wiesbadener Polizei aus Verärgerung über die Berichterstattung des Kuriers alle Abonnements. In den darauffolgenden Jahren änderte sich das Klima deutlich und heute ist man Kooperationspartner bei Aktionen im Bereich der Seniorenprävention. Aktuell rangiert die Polizei mit 84 % auf der Skala der Wertschätzung durch die Bevölkerung weit vorne, so eine Forsa-Umfrage aus diesem Jahr.

Angeregte Gespräche, untermalt von Klavierklängen, beendeten die schöne Jubiläumsveranstaltung in würdigem Rahmen.

 

Ausblick

Für das Jahr 2018 sind zwei Besichtigungen, eine (Krimi)-Lesung und die Befassung mit einem aktuellen Sicherheitsthema geplant.

Über Besucher oder neue Mitglieder würden wir uns sehr freuen!