Internet - Fluch oder Segen für unsere Kinder?

Erfolgreiche Veranstaltung zu einem wichtigen Thema!

Internet - Fluch oder Segen für unsere Kinder? - Dies war der Titel einer sehr informativen, kurzweiligen und mit hochkarätigen Referenten besetzten Veranstaltung vom 28.03.2011 der Gesellschaft Bürger und Polizei e.V., deren Erster Vorsitzender Polizeipräsident Robert Schäfer ist.

Mit dem Kulturforum Wiesbaden in der Friedrichstraße war eine hervorragend gelegene Location gewählt, welche mit weit über 200 Gästen bis auf den letzten Platz besetzt war. Neben interessierten Eltern bestand das ausschließlich erwachsene Publikum aus Fachleuten aus den Bereichen Schule, Pädagogik und Polizei.

Begrüßung durch den 1. Vorsitzenden Robert Schäfer

Die Referenten (in der Reihenfolge der Vorträge) waren:

Kriminalhauptkommissarin Petra Kain
Polizeipräsidium Westhessen, Internetprävention

Oberstaatsanwalt Rainer Franosch
Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt - Zentralstelle für Internetkriminalität

Günter Steppich
IT-Fachberater für Jugendmedienschutz
am Staatlichen Schulamt für Wiesbaden und den Rheingau-Taunus-Kreis und

Dr. Nawid Peseschkian
Facharzt für Kinder- und Jugendpsychiartrie & Psychotherapie

Nach der Begrüßung durch Polizeipräsident Robert Schäfer leitete Polizeihauptkommissarin Stephanie Held, die die Veranstaltung moderierte, zur ersten Referentin des Abends über:

Petra Kain, die zu Beginn mit der KIM-Studie (KIM steht für: Kinder+Medien, Computer+Internet), eine Basisuntersuchung zum Medienumgang 6- bis 13-Jähriger vorstellte, zeigte u.a. an Hand von Suchbegriffen in Suchmaschinen auf, wie schnell Kinder und Jugendliche - teils gewollt, teils ungewollt - auf Webseiten mit Inhalten zu Cybermobbing, Ritzen, Suizid, Pornografie pp. landen können.



Kriminalhauptkommissarin Petra Kain

Und weil Worte alleine nicht beschreiben können, WAS unsere Kinder im Internet alles zu sehen bekommen können, untermauerte Petra Kain ihren Vortrag mit passenden Bildern. Das Publikum war sichtlich betroffen.
Entsprechenden Anklang fand der abschließende, aber ausführliche Punkt ihres Vortrags "Präventionsmaßnahmen der Polizei" bei den Gästen. Sie stellte hierzu das Präventionskonzept des Polizeipräsidiums Westhessen vor, mit welchem die Kolleginnen und Kollegen des Stabsbereichs E 4 - Prävention regelmäßig an Schulen gehen, um vor Ort Lehrer und Eltern aufzuklären und zu sensibilisieren.

Anschließend referierte Oberstaatsanwalt Rainer Franosch ausführlich über das Thema "Cybermobbing" am Fallbeispiel einer Website. Er stellte sowohl die Möglichkeiten aber auch Grenzen der Ermittlungsarbeit der Polizei und Staatsanwaltschaft anhand der gesetzlichen Grundlagen dar.

Oberstaatsanwalt Rainer Franosch

Mit Ausschnitten der Website, auf denen Verleumdungen und Beleidigungen auf schlimmstem Niveau zu sehen waren, zeigte er deutlich auf, welches Ausmaß dieser Deliktsbereich erfahren hat. Negativer Höhepunkt des Cybermobbings sind Fälle, in denen sich jugendliche Opfer sogar das Leben genommen haben.
Danach zeigte er verschiedene Reaktionsmöglichkeiten auf, wie Betroffene, aber auch Lehrer und Eltern reagieren können.

Ein weiteres Thema war das "Filesharing", das unerlaubte Kopieren urheberrechtlich geschützter Werke (§106 Urheberrechtsgesetz), bei dem Internetbenutzer in sogenannten "Tauschbörsen" Lieder, Videos und andere urheberrechtlich geschützte Dateien tauschen. Er machte darauf aufmerksam, dass zu der Strafbarkeit noch die zivilrechtliche Haftung kommt. Für Eltern, deren Kinder entsprechende Inhalte tauschen, kann dies aufgrund der Gefährdungshaftung als Inhaber des Internetanschlusses dann unter Umständen sehr teuer werden!
Sein Fazit war: "Medienkompetenz der Kinder ist das wirksamste Mittel zur Vorbeugung."

Günter Steppich, von Beruf Lehrer, brachte mit seinem Vortrag dicht gepackte Informationen über das Surf- und zum Teil schon Suchtverhalten unserer Kinder ins Publikum. Er transportierte sein Wissen anhand vieler Alltagsbeispiele aus seinen Schulklassen in einer lockeren und entspannten Art, die den Ernst der Sache aber keine Sekunde lang vermissen ließ!

Günter Steppich

In seinem Vortrag wurde deutlich, dass die Jugendlichen und Kinder zum Teil so viel Zeit vor dem PC oder einer Spielekonsole verbringen, dass dadurch soziale Kontakte, körperliche Fitness aber auch z.B. das Interesse am Lesen eines Buches deutliche Einbußen erfahren.
Er untermauerte diese Thesen anhand der Pisa-Studie, machte allerdings gleichzeitig deutlich, dass es geschlechtsspezifische Unterschiede im Spiel- und Surfverhalten der jungen Generation gibt! So sind nämlich Jungen deutlich mehr von den negativen Einflüssen des "Zockens" oder "Daddelns", wie man das Spielen am PC oder der Konsole nennt, betroffen als gleichaltrige Mädchen!
Zum Schluss seines sehr eingängigen Vortrages gab er wichtige Tipps, die verhindern können, dass das Surfverhalten zum Suchtverhalten wird. Beispielsweise empfiehlt er, Kindern/Jugendlichen bis mindestens 14 Jahren keinen eigenen PC ins Zimmer zu stellen. Sie sollten nur beispielsweise im Flurbereich oder Wohnzimmer surfen dürfen. Auch führte er an, Kinderschutz-Software zu installieren, klare Zeitlimits zu setzen und von Anfang an das Gespräch mit den Kindern zu suchen, um ihnen den richtigen Umgang mit dem Medium an die Hand zu geben.
Ausführliche Informationen sind auf seiner Web-Seite zu finden: www.medien-sicher.de.

Dr. Nawid Peseschkian begrenzte seinen Vortrag nicht nur auf das Problem der Sucht im Bereich des Surfens, sondern bezog auch andere Süchte mit ein. Er zeigte auf, wie wichtig es ist, dass die Kinder ein Zuhause haben, in dem sie sich wohl und geborgen fühlen, weil dadurch die Wahrscheinlichkeit, dass sie nach Problemen im Alltag in einer Sucht Zuflucht suchen, sehr viel geringer ist.

Dr. Nawid Peseschkian

Nach seinem sogenannten "Balance-Modell" gibt es vier für jeden Menschen wichtige Bereiche. Diese sind

- Körper/Sinne
- Leistung
- Kontakt
- Phantasie/Zukunft

Gerät der Mensch aus der Balance, flüchtet er sich in einem oder in mehreren Bereichen in eine Sucht. Eine Sucht davon ist eben die Internetsucht und kann z.B. auf Grund von Zukunftsängsten zu Tage treten.
Am Ende seines Vortrages hat er fünf Stufen der Konfliktlösung herausgearbeitet, die vom Beobachten des Problems bis zum Herausarbeiten neuer Perspektiven reichen und den Menschen so wieder in seine Balance bringen können.

Zum Schluss der Veranstaltung, nach der spannenden Podiumsdiskussion mit vielen Fragen aus dem Publikum und Antworten der Experten, bedankte sich Polizeipräsident Robert Schäfer bei den Referenten für die Güte und gleichzeitig hohe Aktualität der Vorträge und gab über sein sehr positives Fazit hinaus die Anregung mit auf den Weg, einmal den Umgang mit den eigenen Kindern in Bezug auf das Internet zu reflektieren.



Text und Bilder: A. Klaus, Polizeipräsidium Westhessen